Freizeitangebot für Jugendliche in der Favela: Förderung der Musikschule da Rocinha
Die Escola de Musica da Rocinha ist ein sehr wichtiges Instrument, die Kinder und Jugendlichen aus der Favela, die kein Freizeitangebot haben, sinnvoll zu beschäftigen und zu erziehen, damit sie gegen die Verführungen des Drogenhandels gewappnet sind. Ca. 450 Schüler/innen werden schon in der Musikschule unterrichtet, die ihnen auch soziales Verhalten vermittelt und Nachhilfeunterricht anbietet, wenn sie in der öffentlichen Schule nicht mitkommen.
In der Südzone von Rio de Janeiro, einer der teuersten Wohngegenden der Stadt, befindet sich auch das grösste Armenviertel Lateinamerikas, die Favela da Rocinha. Über die Anzahl der Bewohner bestehen grosse Meinungsverschiedenheiten: die Statistik der Regierung gibt 67.000 Einwohner an, während die Elektrizitätsgesellschaft 120.000 nennt, die Einwohner selbst jedoch von 150.000 sprechen. Davon sind ca. 90.000 Kinder und Jugendliche. Fast alle Eltern dieser Kinder sind aus dem unterentwickelten, armen Nordosten Brasiliens gekommen, um ihr Glück in der grossen Stadt Rio de Janeiro zu suchen. Sie arbeiten als Hausangestellte, Kellner, Taxifahrer (in Autos, die nicht ihnen gehören), Portiers bei den Luxuswohnanlagen, Verkäufern etc. und verdienen ca. Euros 200,- / 300,- p.M. Viele finden keine Arbeit und verdienen sich ihren Lebensunterhalt als Strassenhändler. Ihr Glück machen sie sicherlich nicht, aber in ihrer Heimat im Nordosten ginge es ihnen schlechter.
Die Favela da Rocinha ist ein Labyrinth, das sich an einem Berghang erstreckt und ununterbrochen wächst, ohne dass die Stadtverwaltung Einhalt gebietet. Allerdings gibt es für die Bewohner auch keine Alternative in Form von sozialem Wohnungsbau. Die Favela wird mit Licht und Wasser versorgt (was nicht selbstverständlich ist), aber ansonsten gibt es keine Infrastruktur. Alle Favelas von Rio de Janeiro werden von Drogenhändlern beherrscht, so auch die Rocinha, was für die Bewohner ein grosses Problem ist. 90 % der Menschen in den Favelas sind ordentliche Leute, die ihrer Arbeit nachgehen, aber sie werden von den Drogenhändlern kontrolliert und begeben sich in Lebensgefahr, wenn sie deren Anordnungen nicht befolgen. Die Jugendlichen in den Favelas sind sehr gefährdet, sich dem Drogenhandel anzuschliessen, weil sie mit keiner Arbeit so viel und so schnell Geld verdienen können. Leider erreichen sie durchschnittlich nur ein Alter von 25 Jahren, weil sie meistens bei Schiessereien untereinander oder mit der Polizei umkommen.
Der Lehrer für Musik Hans Ulrich Koch aus Deutschland wollte den Kindern dieser größten Favela in Rio de Janeiro 1994 eine kostenlose Musikerziehung ermöglichen. Die Organisation Escola de Musica da Rocinda (EMR) finanziert sich ausschließlich aus Spendengeldern, lediglich eine Immobilie wurde der EMR von der Stadtverwaltung Rio zur Verfügung gestellt.
Der größte Wunsch für die Zukunft ist, ein kleines Orchester mit den Begabtesten der Schule zu gründen. Mit Konzerten und dem Verkauf von CDs hätte man eine zusätzliche Einnahmequelle.
Unser Rotary-Club unterstützt die Escola de Musica da Rocinha z. B. mit dem Kauf von Musikinstrumenten. Der Kontakt zur Schule kam zustande durch unserem Rotary-Beauftragten für den Länderausschuss Brasilien-Deutschland, Rotarier Dr. Alois Lukatsch, und wurde von ihm während des Projektes eng begleitet.
Unser Club hat eine Summe in Höhe von USD 5.000,-- gespendet. Im Rahmen eines "matching grant" ergibt dies zusammen mit Geldern des RC Rio de Janeiro-Urca, und der Rotary Stiftung, eine Gesamtspende für die EMR in Höhe von USD 17.000,--.
Für dieses Projekt hat Rot. Franz im Rahmen einer Reise im November 2008 der Schule folgende Werte übergeben:
8 Violinen, 4 Violen, 3 Celli, 1 Kontrabass, 2 Hörner und 2 Posaunen, sowie Elektronik zum Herstellen der CDs, damit die Schule auch etwas Geld erwirtschaften kann.
Beim Blick aus dem Fenster der Musikschule sieht man direkt auf die Elendsquartiere; und die fröhlichen Gesichter der jungen Menschen richten sich ganz auf unsere Hilfe!
Das obige Bild zeigt Frau Lukatsch und Freund Franz mit einem weiblichen Schützling, den er fördert.
Ein Spruch von Pater Antonio Vierra, der im Alter von 99 Jahren in Brasilien verstarb: "Wir werden mit unseren Taten identifiziert. Was nicht realisiert wird, existiert nicht. Deshalb existieren wir nur an den Tagen, an denen wir etwas realisieren. An den Tagen, an denen wir untätig sind, dauern wir nur fort."
Unser Freund und langjähriger Brasilien-Länderbeauftragter Dr. Alois Lukatsch (s. obiges Foto) hat dieses Projekt initiiert. Nach seinem Tod in 2007 hat unser Freund Franz das Projekt weiter begleitet.